Schlüsseltresore bei der Feuerwehr

 In Allgemein, Ratgeber

Feuerwehr - Schlüsseltresor

Wenn es erst einmal brennt, können schon Sekunden und Minuten nachhaltig über das Ausmaß des Schadens entscheiden. Damit die Feuerwehr im Fall eines Brandes schnell und gewaltfrei Zugang zu dem betroffenen Gebäude hat, kann sich für Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen das Vorhandensein eines Feuerwehr-Schlüsseldepots auszahlen.

Andernfalls verstreichen beim Warten auf die Person mit Schlüsselgewalt wertvolle Minuten, in denen die Rettungskräfte noch nicht helfen können. Das Verwahren eines Schlüssels vor Ort, zu dem die Rettungskräfte direkt Zugang haben, kann eine enorme Hilfe sein. Dabei geht es nicht darum, einen Schlüssel unter die Matte zu legen oder beim Nachbarn abzugeben, sondern um professionelle Schlüsseltresore für die Feuerwehr, die entsprechend hoher Sicherheitsmaßstäbe installiert werden.

 

  1. Was sind die Besonderheiten von Schlüsseltresoren für die Feuerwehr?

Das Schlüsseldepot, früher auch unter den Bezeichnungen Feuerwehr-Schlüsseldepot oder Feuerwehr-Schlüsselkasten bekannt, ist ein zweitüriges Tresorbehältnis, das der Aufbewahrung von Objektschlüsseln dient, damit die Feuerwehr im Fall eines Brandes schnell und gewaltfrei Zugang zu den Räumen und dem Gelände des Objekts hat. Es handelt sich dabei um einen kleinen Tresor mit zweifachem Sicherungsprinzip, der für die Feuerwehr gut zugänglich und bestenfalls wettergeschützt an einer Stelle außerhalb des Objekts angebracht ist. Er kann entweder in einer Mauer oder in einer freistehenden Säule montiert werden und ist mit einem Brandmeldesystem verknüpft.

 

2.1 Typische Einsatzorte

Es gibt eine Vielzahl von Objekten, in denen nur zu Stoßzeiten viele Leute anzutreffen sind, die aber nicht rund um die Uhr besucht sind. Hierzu zählen insbesondere Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Fabriken bzw. Produktionsstätten. Gerade nachts und an den Wochenenden ist entweder nur ein Wachdienst oder niemand vor Ort. Sollte einmal ein Feuer ausbrechen und die Brandmeldeanlage einen Einsatz der Feuerwehr auslösen, ist es wichtig, dass diese sofortigen und ungehinderten Zugang zu dem Einsatzort hat. Damit vor Ort nicht erst auf entsprechendes Personal mit Schlüsselgewalt gewartet werden muss, bieten Schlüsseltresore in Einklang mit DIN 14675 die Möglichkeit, den Objektschlüssel für berechtigte Dritte (die Feuerwehr oder die Polizei) aufzubewahren und zugleich Unberechtigten den Zugriff zu verwehren.

 

2.2 Aufbau eines Tresors

Das Schlüsseldepot ist ein Tresorbehältnis mit zweifachem Sicherungsprinzip, in dem die Objektschlüssel sicher verwahrt werden und das im Brandfall nur für die Feuerwehr zugänglich ist. Es gibt verschiedene Ausführungsarten von Schlüsseldepots, die jeweils an unterschiedliche Sicherheitsbedingungen geknüpft sind und im Folgenden genauer beschrieben werden.

Feuerwehrauto

2.2.1 Ausstattungsmerkmale

Das hohe Maß an Sicherheit eines Schlüsseltresors ist in seinem zweifachen Sicherungsprinzip begründet. Um Unbefugten den Zugang zu den Schlüsseln zu verwehren, verfügt das Tresorbehältnis über zwei Türen, die unabhängig voneinander zu öffnen sind. Die äußere Tür ist elektromechanisch verriegelt und wird automatisch entriegelt, wenn das verknüpfte Brandschutzsystem des Objekts eine Brandmeldung herausgibt. Alternativ kann nur die Feuerwehr die erste Tür auch manuell mit einem Freischaltelement öffnen, sollte sie beispielsweise bereits vor der Brandmeldung des Systems vor Ort sein. Hinter der äußeren Tür verbirgt sich eine innere Tür, die mit einem weiteren Schlüssel, der ebenfalls ausschließlich im Besitz der Feuerwehr ist, geöffnet wird. Sind beide Türen entriegelt, kann die Feuerwehr den Objektschlüssel entnehmen und sich so Zugang zum Gebäude verschaffen.

 

2.2.2 Unterschiedliche Klassen und Typen

Die VdS-Richtlinien teilen die unterschiedlichen Ausführungen der Schlüsseldepots in drei verschiedene Klassen ein.

  • Klasse 1: Schlüsseltresore der Klasse 1 bieten den niedrigsten Grad an Sicherheit und sind aus einwandigem Blech geformt. Sie sind daher nicht für die Verwahrung von Generalschlüsseln zugelassen, sondern für Schlüssel zu Bereichen mit niedriger Sicherheitsrelevanz wie Tore oder Schranken. Nur eine Tür ist mit Feuerwehrschließung entriegelbar, es sind maximal zwei Schlüssel hinterlegbar, und das Schlüsseldepot ist nicht an eine Brandmeldeanlage angeschlossen.
  • Klasse 2: Als Schlüsseltresore der Klasse 2 gelten stabilere Tresore, die fest in oder an einer Hauswand montiert sind. Sie sind zugelassen für Schlüssel zu Bereichen mit mittlerer Sicherheitsrelevanz, wie Parkhäuser oder Treppenanlagen. Das Schlüsseldepot verfügt über zwei Türen, eine Heizung und ist mit einer Brandmeldeanlage verknüpft. Es dürfen bis zu drei Schlüssel hinterlegt werden, aber keine Generalschlüssel.
  • Klasse 3: Schlüsseltresore der Klasse 3 sind Behältnisse, die rundum von Mauerwerk umgeben sind oder komplett bohrgeschützt gefertigt sind. Nur in ihnen dürfen Generalschlüssel aufbewahrt werden, denn umfangreiche Sicherungsmaßnehmen bieten entsprechenden Schutz: Das Schlüsseldepot ist sowohl an eine Brandmeldeanlage als auch an eine Einbruchmeldeanlage angeschlossen. Das Schlüsseldepot verfügt über zwei Türen, einen Außentüranbohrschutz, eine Heizung, eine LED-Innenbeleuchtung, einen Überwachungszylinder für den Objektschlüssel hinter der Innentür und es dürfen bis zu drei Schlüssel hinterlegt werden. Eine VdS-Anerkennung des Schlüsseltresors ist erforderlich.

Es gibt darüber hinaus – unter Beibehaltung der Sicherheitsanforderungen – unterschiedliche Typen von Schlüsseltresoren.

  • Schlüsseltresor in Kastenform: Am häufigsten wird das Schlüsseldepot in einer Kastenform in eine äußere Mauer des Objekts eingelassen.
  • Schlüsseltresor in Rohrform: Das in die Mauer eingelassene Schlüsseldepot kann auch in einer platzsparenden Rohrform gefertigt sein. Die raumsparende Variante hat etwa einen Durchmesser von 4 cm in der Breite und eine Länge von 20 cm. Die Rohrform ist allerdings derzeit nur als Schlüsseldepot der Klasse 2 zugelassen.
  • Schlüsseltresor in einer frei stehenden Säule: Das Schlüsseldepot kann ebenfalls in eine frei stehende Säule eingearbeitet sein, wenn die Außenwände des Gebäudes nicht den geforderten DIN Normen entsprechen und zum Beispiel aus Glas sind. Beim Einbau ist ein erhöhter Montageaufwand erforderlich, um die erforderliche Sicherheit zu gewährleisten.

2.3 Ablaufplan bei der Verwendung

Im Fall einer Brandmeldung gestaltet sich der Einsatz von Schlüsseltresoren für die Feuerwehr wie folgt:

  • Die Brandmeldeanlage (BMA) meldet Alarm
  • Die BMA überträgt den Alarm auf das Schlüsseldepot und löst die elektromechanische Verriegelung der Außentür
  • Die durch die BMA alarmierte Feuerwehr erreicht das Schlüsseldepot und öffnet mit einem speziellen Schlüssel die Innentür und nimmt den entsicherten Objektschlüssel an sich, um den Einsatz im Objekt schnell und sicher bearbeiten zu können
  • Nach dem Einsatz wird der Objektschlüssel wieder im dafür vorgesehenen Zylinder innerhalb des inneren Schlüsseldepots verstaut
  • Die Feuerwehr schließt die Innentür mit dem Spezialschlüssel und setzt die BMA zurück, woraufhin sich die Außentür automatisch wieder verriegelt

2.4 Montage und Platzierung

Bei der Montage und Platzierung des Schlüsseltresors gibt es einige Vorgaben und DIN-Normen, die unbedingt eingehalten werden müssen.

Der Schlüsseltresor muss für die Feuerwehr von der Feuerwehrzufahrt aus gut zugänglich und bestenfalls wettergeschützt an einer Stelle außerhalb des Objekts angebracht sein. Er kann entweder in einer Mauer oder in einer freistehenden Säule montiert werden. Am sinnvollsten ist es, die Installation des Schlüsseldepots für die Feuerwehr direkt in der Rohbauphase des Objekts mit einzuplanen, sodass das Mauerwerk nicht für eine nachträgliche Montage wieder geöffnet oder das Schlüsseldepot an einer anderen Stelle, beispielsweise in einer freistehenden Säule, separat installiert werden muss.

Wird der Schlüsseltresor in einer Außenwand montiert, sind folgende VdS-Richtlinien einzuhalten:

  • Mauerwerk nach DIN 1053
  • Ziegeln nach DIN 105
  • Kalksandstein nach DIN 106
  • Wände aus Stahlbeton nach DIN 1045
  • Die Wände müssen mindestens 80 mm dicker sein als die Einbautiefe des Schlüsseldepots.
  • Das Schlüsseldepot muss mechanisch stabil eingemauert oder in die Betonwand eingegossen werden

Der Schlüsseltresor kann ebenfalls in einer speziellen, freistehenden Säule montiert werden, wenn die Außenwände des Objekts den VdS-Richtlinien nicht standhalten. Dabei sind folgende Maßgaben zu beachten:

  • Edelstahl mit mindestens 3 mm Wandstärke
  • Geräteanerkennung durch den Verband der Schadensversicherer
  • Mindestgröße des Fundaments der Säule: (B/H/T) 100/100/80 cm
  • Die Säule muss mit einem Ankerdübel sicher im Fundament verankert sein
  • Die Demontage des Schlüsseldepots darf nur vom Innenraum aus möglich sein
  • Geschützte Kabelzuführung durch das Fundament und die Säule
  • Rundum Vollbohrschutz
  • Einbruchüberwachung

Um sicherzustellen, dass der Schlüsseltresor ordnungsgemäß funktioniert, sollte der Einbau durch den Hersteller oder eine Fachkraft erfolgen. Die Verknüpfung des Schlüsseltresors mit der Brandmeldeanlage und der Einbruchmeldeanlage hat ebenfalls durch den entsprechenden Fachmann zu erfolgen.

2.5 Kosten

Die gängigen Preise für die Anschaffung eines Schlüsseltresors für die Feuerwehr liegen je nach Modell und Ausstattung zwischen 1100€ und 3000€. Die Kosten für die Installation und Montage kommen anbieterabhängig hinzu.

 

  1. Rechtssicherheit und Versicherungsschutz

Bevor mit dem Einbau eines Schlüsseltresors für die Feuerwehr begonnen wird, muss mit dem zuständigen Schadensversicherer privatrechtlich der Einsatz dieses Schlüsseldepots abgesprochen werden. Wird ein Schlüsseldepot installiert, ist die Aufbewahrung von Schlüsseln in diesem Depot für den Versicherungsort eine Gefahrenerhöhung, die dem Einbruchdiebstahlversicherer angezeigt werden muss.

Damit der Versicherungsschutz vollständig bestehen bleibt, ist es wichtig, die VdS-Richtlinien und die entsprechend formulierten DIN-Normen jederzeit genau einzuhalten. Hat das Schlüsseldepot keine Anerkennung vom VdS oder wurde es nicht gemäß der VdS-Richtlinien installiert, besteht kein Versicherungsschutz für Schäden. Ebenfalls müssen die Schlüsseltresore vierteljährlich einer Inspektion unterzogen werden. Wird dies versäumt, ist der Versicherungsschutz im Schadensfall gefährdet.

 

  1. Zusammenfassung

Sowohl die Vorteile als auch die Auflagen, die Schlüsseltresore für die Feuerwehr mit sich bringen, werden noch einmal zusammengefasst: Ein Schlüsseltresor, oder offiziell: ein Schlüsseldepot, ist ein zweifach gesichertes Tresorbehältnis zur Aufbewahrung von Objektschlüsseln, damit die Feuerwehr im Brandfall schnell und gewaltfrei Zugang zu dem betroffenen Objekt hat, ohne erst auf eine Person mit Schlüsselgewalt warten zu müssen. Schlüsseltresore gibt es in verschiedenen Sicherheitsklassen und Ausführungen und sie können in einer Mauer oder in einer freistehenden Säule montiert werden. Ein doppeltes Öffnungssystem gewährleistet die Sicherheit. Damit der Versicherungsschutz nicht gefährdet ist, ist es unumgänglich die von der VdS vorgegebenen Richtlinien sowie sämtliche DIN-Normen zu jedem Zeitpunkt einzuhalten.

Hält man sich an die Vorgaben und setzt den Schlüsseltresor regelkonform ein, dann tragen Schlüsseltresore für die Feuerwehr nachhaltig zum Schutz des Objektes und der Menschen bei.

Empfohlene Beiträge
Schlüsseltresor mit Code benötigt